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Hünenburg bei Watenstedt
Hünenburg bei Watenstedt (Luftbild) - Foto: O. Braasch, Landshut
Legende
 
Legende zum Layer Archäologische Denkmale im GeoLife-Portal der LGN
Datenanbieter:

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

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Befestigungsanlagen / Burgen

Aus der Ur- und Frühgeschichte kennen wir eine Vielzahl von verschiedenartigen Befestigungsanlagen, die verallgemeinernd als "Burgen" bezeichnet werden. Bei der Mehrzahl der Objekte handelt es sich aber nicht um Ritterburgen, sondern um Erdwälle, gelegentlich mit Holzeinbauten oder Trockenmauerwerk. Lage und Form derartiger Befestigungen sind von Funktion, Zeitstellung und landschaftlichen Voraussetzungen abhängig.

Die ältesten Befestigungsanlagen  wurden in Niedersachen während der bandkeramischen Kultur um 5000 v. Chr. erbaut. Aus dem südlichen und südöstlichen Niedersachsen kennen wir  mehrere Siedlungen, die mit mächtigen Gräben und Wällen geschützt waren. Ein solches "Erdwerk" der Linienbandkeramik wurde bei Esbeck im Ldkr. Helmstedt untersucht. Hier konnten zwei parallele Gräben nachgewiesen werden, die eine annähernd rechteckige Fläche von 1,7 ha Innenfläche umgaben. (Abb. 1 ). Offenbar bildeten diese befestigten Siedlungen die zentralen Plätze für ganze Kleinlandschaften, in denen verstreut  weitere Einzelhöfe gelegen haben. Um 4000 v. Chr. sind im niedersächsischen Nordharzvorland und im südniedersächsischen Leinetal zahlreiche Erdwerke erbaut worden, Wall-Grabenanlagen mit zum Teil eindrucksvoller Größe (bis zu 20 ha Innenfläche). Erst die systematisch betriebene Luftbildarchäologie der letzten Jahre hat gezeigt, dass im Nordharzvorland europaweit die größte Dichte derartiger Anlagen überhaupt vorliegt: Es gibt hier über 30 Erdwerke, von denen vor 1993 nur eines bekannt war. (Abb. 2 Luftbild eines jungsteinzeitlichen Erdwerks im Braunschweiger Land).
Wozu diese Anlagen dienten, ist immer noch nicht geklärt, mit dem Befestigungsaspekt dürfte aber nur eine Facette ihrer ursprünglichen Funktion umrissen sein.

Abb. 1 Erdwerk bei Esbeck, Ldkr. Helmstedt - Foto: H.Thieme, NLD
Abb. 2 Luftbild eines Erdwerks von Heiningen, Ldkr. Wolfenbüttel

Erst die letzen Jahre haben gezeigt, dass es in Niedersachsen auch eine nicht geringe Zahl bronzezeitlicher Befestigungen gibt (Abb. 3). Die Ausgrabungen auf der Hünenburg bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt, haben jetzt erstmals detaillierte Einblicke in eine befestigte Siedlung der jüngeren Bronzezeit gewährt. Gleichzeitig ist es gelungen, auch für andere Befestigungsanlagen eine Entstehung in der Bronzezeit nachzuweisen. Dazu gehört besonders das Erdwerk 1 von Tempelhof, Stadt Hornburg, Ldkr. Wolfenbüttel, dessen Wall-Grabenbefestigung einen Innenraum von 18 ha umschließt, der aber offenbar nur zu einem geringen Teil bebaut gewesen ist.

Spätestens seit der Eisenzeit kommen Wallanlagen unterschiedlicher Form vor, z.B. Abschnittswälle wie die frühen Phasen der Pipinsburg bei Osterode am Harz (Abb. 4) oder die Brunkelburg im Reitlingstal im Elm, Ldkr. Wolfenbüttel (Abb. 5). Dabei handelt es sich um Wall-Graben-Systeme, die eine Kuppe oder einen Sporn auf einer Seite vom Bergrücken abschneiden, während die anderen Seiten z.B. durch Steilhänge natürlich geschützt sind und daher gar nicht oder nur leicht befestigt werden mussten. Beim Fehlen eines solchen natürlichen Schutzes wurden runde oder ovale Ringwälle angelegt, wie z.B. die Schnippenburg bei Schwagstorf, Ldkr. Osnabrück.

Abb. 3 Hünenburg bei Watenstedt, Ldkr. Helmstedt
Abb. 4 Pipinsburg bei Osterode im Harz

Um Christi Geburt begegnen uns erstmals auch Niederungsburgen wie die Heidenschanze und die Heidenstadt bei Sievern, Ldkr. Cuxhaven, die auf einem Geestrücken am Rande eines Moores lagen und mit Wällen befestigt waren.

Die weitaus größte Zahl von Befestigungsanlagen wurde in dem Zeitraum vom frühen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit errichtet.

Abschnittsbefestigungen von Bergspornen und Ringwälle kommen weiterhin vor Thomasburg, Ldkr. Lüneburg, Abb. 6), jetzt auch häufiger im Flachland (Stöttinghausen, Ldkr. Nienburg). Die Entwicklung von Höhenburgen fand ihren Abschluss im hohen und späten Mittelalter in stark befestigten Burgen wie z.B. Burg Plesse bei Bovenden, Ldkr. Göttingen; Burg Lichtenberg bei Salzgitter; Schaumburg bei Rinteln, Burg Scharzfels bei Barbis, Ldkr. Osterode am Harz.

Abb. 5 Plan der Brunkelburg im Reitlingstal, Ldkr. Wolfenbüttel
Abb. 6 Thomasburg, Ldkr. Lüneburg

Eine Sonderform bilden die im 9. und 10. Jh. angelegten Königspfalzen, die entweder über eine eigene starke Befestigung verfügten (z.B. Pfalz Werla bei Schladen, Ldkr. Wolfenbüttel) oder in direkter Nachbarschaft einer Wehranlage gegründet wurden (Pfalz Pöhlde, Ldkr. Osterode am Harz).

Mit dem 11. Jh. setzt eine Verlagerung der Burgplätze aus den Höhen in die Täler ein. Es werden Turmhügelburgen gegründet (Abb. 7), die von den Archäologen als "Motten" bezeichnet werden (franz. la motte = Erdhügel). Meist bestehen die Motten aus einem mit Wassergraben umgebenen künstlich aufgeschütteten Hügel, auf dem ein hölzerner oder steinerner Turm errichtet wurde, der Wohn- und Wehrzwecken diente. Sie wurden im Laufe der Zeit größer und mit anderen Elementen kombiniert. Die gut erhaltene Burg Elmendorf am Nordufer des Zwischenahner Meeres, Ldkr. Ammerland, bestand sogar aus drei mit Brücken verbundenen Hügeln.

Abb. 7 Motte beim Klosterhof Lindern, Gemeinde Bockhorn, Ldkr. Friesland
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