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Wind- und Wassermühlen in Niedersachsen

Wind- und Wassermühlen gehören zu den landschaftsprägenden Bauten Niedersachsens. Sie sind zugleich Denkmäler der Technik sowie unserer Kultur- und Sozialgeschichte. Über Jahrhunderte dienten Mühlen dem Menschen zur Gewinnung von Energie aus Wind und Wasser. Je nach Gegebenheiten und Bedürfnissen wurden die unterschiedlichsten Mühlentypen und –techniken entwickelt. Neben den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein tätigen Wind- und Wassermühlen haben sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zudem Motormühlen entwickelt, von denen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Entwicklung zu großen Industriemühlen ausging. Heute sind von den ehemals fast 3000 in Niedersachsen vorhandenen Wind-, Wasser- und Motormühlen nur noch wenige erhalten.

Bedingt durch die Topografie Niedersachsens haben sich spezielle Kulturlandschaften der Mühlen entwickelt:

  • Küstenregion: geprägt durch Windmühlen; insbesondere in Ostfriesland dominieren die Holländerwindmühlen
  • Übergangsregionen im mittleren Niedersachsen: Wind- und Wassermühlen sind vertreten; vielfältige Typen von der Bockwindmühle als ältestem Mühlentyp bis hin zu den moderneren motor- bzw. elektrobetriebenen Mühlen und Industriemühlen
  • Südliches Niedersachsen: Wassermühlenstandorte dominieren, Windmühlen sind selten.

Wassermühlen sind die ältesten nachgewiesenen Mühlentypen. Sie werden bereits im frühen Mittelalter im Zusammenhang mit Klosteranlagen genannt. Erste Windmühlenstandorte sind im späten Mittelalter bzw. in früher Neuzeit nachgewiesen.

Bockwindmühlen waren der Standardmühlentypus dieser frühen Zeit bis etwa in das 18. Jahrhundert. Es gibt nur noch wenige Beispiele. Sie liegen in der Regel im mittleren Niedersachsen, wobei sich als Ausnahme eine der ältesten Bockwindmühlen auch in Ostfriesland im Ort Dornum erhalten hat und in dieser Region eine absolute Besonderheit darstellt.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert entwickelten sich weitere Mühlentypen, so die im mittleren und südlichen Niedersachsen vorzufindenden massiven Turmwindmühlen. Es sind in der Regel aus einem kegelförmigen Sandsteinmauerwerk bestehende Bauten, die mit einer Kappe ausgerüstet waren. Diese konnte mit einem Steert per Hand in den Wind gedreht werden. Im nördlichen Niedersachsen entwickelten sich die "Holländermühlen", die einen massiven achteckigen Unterbau, überwiegend in Ziegelmauerwerk, besaßen. Hierauf erhob sich ein "hölzerner Achtkant", auf dem die Kappe lag. Auch hier erfolgte die Drehung der Kappe zunächst händisch mit dem Steert. Die weitere Entwicklung brachte dann über England die automatische Drehung der Kappe mittels Windrad - ein erheblicher arbeitstechnischer Fortschritt!

Von den Holländerwindmühlen sind unterschiedliche Bautypen erhalten: von dem einfachen Erdholländer mit Bedienung der Flügel vom Boden aus bis hin zu vier- und fünfgeschossigen Galerieholländern, bei denen die Bedienung der Flügel von der Galerie aus erfolgte. Die erforderliche Besegelung an den Flügeln wurde zunehmend durch automatisierte Bedienungstechniken ersetzt. So konnten beispielsweise "Jalousieflügel" durch eine Mechanik direkt aus der Mühle bedient werden. Dies ersparte das "Erklettern" der Flügel.

Auch bei den Wassermühlen gab es technische Weiterentwicklungen. Prägend war das 19. Jahrhundert, als die Wasserräder durch neu entwickelte Turbinen mit erheblich höherer Leistungsausbeute ersetzt wurden. Gerade bei den Industriemühlen - zunächst mit Wasserkraft betrieben - war diese maßgebend für einen enormen Entwicklungsschub. Dieser erfolgte hier jedoch nicht nur bei der Antriebskraft, sondern auch bei der Weiterentwicklung der Vermahlungstechnik von den bekannten Mahlsteinen hin zu den Walzenstühlen. Letztendlich führte dies zu immer feineren Mehlsorten.

Die in Niedersachsen erhaltenen Mühlentypen bieten interessante Einblicke in die Bauentwicklung und die Technikgeschichte und machen die Anfänge des Mühlenwesens vom Mittelalter bis hin zu den modernen Industriemühlen nachvollziehbar. Viele Mühlenfreunde bemühen sich in Vereinen und Organisationen um die Erhaltung dieser Relikte, um auch zukünftigen Generationen einen Einblick in die Historie des Mühlenwesens geben zu können.

Wind- und Wassermühlen in Niedersachsen
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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Wolfgang Neß

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 0511/925-5324
Fax: 0511/925-5402

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