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Kirchen

Auch Kirchen gehören zu den wichtigen Objekten der Denkmalpflege. Sie prägten bisher maßgeblich die Identität der Einwohner in Stadt und Dorf. Ihr Bestand ist jedoch akut gefährdet. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege dokumentiert und erforscht Kirchen und weist auf das breite Spektrum des Zeugnis- und Schauwertes dieser Bauwerke hin. Derzeit werden die Kirchen in das Fachinformationssystem ADABweb des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege eingepflegt. Die Daten sollen dem Partnerfeld digital zur Verfügung gestellt werden.

Niedersachsen hat aus 900 Jahren eine Fülle christlicher Baukunst aufzuweisen, von reinen Stätten des Gottesdienstes und der Volksfrömmigkeit bis zu kostbaren Hüllen hochkarätiger Kunstwerke.

Schlichte kleine Dorfkirchen als originäre Stätten des Glaubens prägen die kleinen Ortsbilder und Regionen ebenso wie die großen Dombauwerke zu Osnabrück und Braunschweig ihre Städte. Bauausführung und Gestaltung spiegeln zeitgenössisch Kult und Kultur wider, von der Anfängen der großen kirchlichen Baukunst des frühen Mittelalters bis zum individuellen Bauwillen des Architekten einer Nachkriegs-Kirche. Immer überragte die Kirche die umgebende Bebauung, sei es als ländliche Kleinkirche auf der Kirchwurt oder als städtische Pfarrkirche mit steil aufragenden mächtigen Kirchtürmen und in exponierter Lage des umgebenden Stadtgefüges.

Während sich seit dem Mittelalter in den Städten der hierarchisch gestufte, vielgliedrige Sakralbau durchsetzte, hielt man im dörflichen Kirchenbau beharrlich an dem rechteckigen Saalbau unter meist flachem Satteldach fest, mit Kanzelaltar im Osten und Orgelempore im Westen. So findet man unübersehbare spätgotische Epistopalkirchen und oft von berühmten Baumeistern erbaute Hallenkirchen mit leuchtenden Glasmalerei-Fenstern, ebenso wie die eher unscheinbaren dörflichen Wehrkirchen mit mächtigen Außenmauern und kleinen, lukenartigen Fenstern, die ihren fortifikatorischen Charakter unterstreichen und vom handwerklichen Können der ortsansässigen Maurer und Zimmerleute berichten. Die typischen kleinen Fachwerkkirchen und -kapellen unter meist steilen Satteldächern müssen hier ebenso erwähnt werden, wie die häufig an der Küste anzutreffenden kleinen Kirchenbauten, deren zum Teil verhältnismäßig hohe Kirchtürme auch Navigationszwecken dienten.

Nach den großen Wiederaufbau- und Neubauleistungen der Nachkriegszeit ist der Bestand der Kirchengebäude heute akut bedroht, da sowohl die katholische als auch die evangelische Kirchen inzwischen mit den Erhaltungsaufgaben überfordert sind. Bereits nach der Wiedervereinigung fehlten rund 18 Mill. DM für die Bestandssicherung allein der evangelischen Kirchen. Religiös indifferent, finanziell verunsichert sparen die ehemaligen Kirchensteuerzahler an ihrer jeweiligen Kirche, die demoskopische Entwicklung tut ihr übriges.

Noch identifizieren sich -vor allem außerhalb der großen Städte - viele Bewohner mit ihren örtlichen Kirchen, vielleicht desto intensiver, je mehr die Schulen, Gemeindeverwaltungen, die Tante-Emma-Läden und sogar die Gasthöfe aus ihren Orten verschwinden und versuchen - wenn auch meist vergeblich -, den Abbruch oder den Verkauf mit anschließender Umutzung "ihrer" Kirche zu verhindern.

Garbsen, Ortsteil Schloss Ricklingen

Garbsen, Ortsteil Schloss Ricklingen

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Angelika Geiger

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 0511/925-5327

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