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Der Große Garten in Hannover-Herrenhausen

Der um 1700 entstandene Große Garten in Hannover-Herrenhausen zählt zu den Kulturdenkmalen von besonderer nationaler Bedeutung. Er ist sowohl ein repräsentativer Vertreter für die Gärten des Barocks in Norddeutschland als auch für barocke Gärten von Sommerresidenzen in ganz Deutschland. Seine künstlerische Qualität ist einzigartig.

Historische Gärten sind wertvolle Zeugnisse menschlichen Daseins und Handelns. Sie unterliegen einem stetigen natürlichen Wandlungsprozess – abgesehen von Veränderungen und Zerstörungen. Wichtige Informationen, die in der Substanz historischer Gärten überdauerten, müssen erkannt, bewahrt und gepflegt werden. Alte Strukturen historischer Gärten sollten sichtbar bleiben oder es wieder werden.

Einen wichtigen Beitrag leistet hier die Denkmalpflege: im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege gehört Gartendenkmalpflege zu den Kernaufgaben. Neben Schloss- und Gutspark stehen heute vielfältigste Gartensorten im Focus denkmalpflegerischen Interesses: z.B. historisch bedeutende Stadtplätze, Bürger- und Volksparks, Haus- und Villengärten, Kurparks, Wallanlagen, Friedhöfe, Klostergärten sowie auch Gärten im ländlichen Raum.

Wissen und Erfahrung gewährleisten eine qualifizierte Pflege und Erhaltung der denkmalgeschützten Gärten und Freiräume. Der Gartendenkmalpfleger berät Eigentümer, Interessierte und Förderer, Landschaftsarchitekten und –gärtner. Er erforscht, inventarisiert und begutachtet die historischen Gartenanlagen. Da die Gärten in unterschiedlichstem Kontext stehen und ihr Zustand sehr verschieden sein kann, ist die Erarbeitung individueller Erhaltungs- und Pflegekonzepte unabdingbar.

Die maßgeblichen Bauherrn des Großen Gartens, Kurfürst Ernst August von Hannover und seine Frau Sophie, ließen sich von Martin Charbonnier einen repräsentativen sommerlichen Residenzgarten schaffen. In diesem Garten klassischen französischen Typs begegnet man ebenso holländischen Einflüssen, Anregungen aus England und norddeutschen Eigenheiten.

Charakteristisch am Großen Garten ist sein großes, geschmücktes Parterre in seiner strengen, achsensymmetrischen Ausformung, dreiseitig durch ein vielseitig ausgestattetes Bosquette gerahmt. Dahinter eröffnet sich ein geräumiges Heckenquartier, der Nouveau Jardin, ausgestattet durch Alleen, Gänge, Plätze und üppige Wasserspiele. Durch eine holländische Graft wird die Anlage eingefasst. Bemerkenswert ist, dass einige Areale einst für Nutzpflanzen vorbehalten waren.

Der Große Garten wurde stets als Kunstwerk des Barock erhalten und z.B. nicht im Stile eines Landschaftsgartens überformt. Mit dem Ende der hannoversch-englischen Personalunion im 19. Jahrhundert wurde der Residenzgarten von den Welfen in seinem Stil bewahrt, als Ausdruck ihrer politischen Legitimation. 1936/37 wurde der Garten nach damaliger Auffassung in seinen scheinbaren Urzustand zurückversetzt, wozu man z.B. nachbarocke Hinzutaten entfernte.

Heute ist es der Gartendenkmalpflege wichtiger, dem schleichenden Verfall Einhalt zu gebieten und weiteren Substanzschädigungen vorzubeugen. Denn die Bewahrung der überkommenen Substanz, als hauptsächlichem Informationsträger dieses wertvollen Kulturdenkmals, hat bei Erhaltungsmaßnahmen äußerste Priorität. Gärtnerische Pflege allein reicht hier nicht aus.

Der Große Garten in Hannover-Herrenhausen

Hannover-Herrenhausen

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Meta Friese

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 0511/925-5330
Fax: 0511/925-5402

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