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Worpswede

Die Worpsweder Kolonie am Rande des Teufelsmoores nördlich von Bremen ist ein Sonderfall in der Geschichte der deutschen Künstlerorte. Sie entstand relativ spät nach einer Vielzahl von anderen Gründungen. Sie hatte die geringste Zahl von ständigen Bewohnern, die kürzeste Bewährungszeit innerhalb der zu Ende gehenden Phase des Naturalismus. Worpswede erreichte indessen die weit reichendste Reputation als bekannteste deutsche Künstlerkolonie, die bis heute anhält.

Inmitten des Teufelsmoores nördlich von Bremen erhebt sich der Weyherberg bis 51 m über den Meeresspiegel. An seinem Nordwesthang in Höhe des Quellhorizontes siedelten sich um das Jahr 1000 n.Chr. acht Höfe an, deren Inhaber von hier aus sowohl die höher gelegenen Äcker als auch die Wiesen der Niederung bewirtschaften konnten.

Faszination und Reiz dieser einmaligen Landschaft mit einem Geestrücken inmitten der wenig berührten Moorlandschaft führten bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Ansiedlung von Künstlern. Architekten, Maler, Bildhauer und Schriftsteller wurden hier sesshaft, übernahmen bäuerliche Gebäude, veränderten sie nach ihren Vorstellungen oder bauten sich eigene Wohnhäuser, die vom üblichen bürgerlichen Geschmack vielfach abwichen.

Einer zufälligen Begegnung folgend, reiste Fritz Mackensen 1884 erstmalig nach Worpswede und begeisterte sich für das originelle Dorf in der reizvollen Landschaft. Als Besucher folgten ihm Otto Modersohn, Hans am Ende und Fritz Overbeck. Der Bremer Kaufmannssohn Heinrich Vogeler war der erste, der sich im Jahre 1895 in Worpswede niederließ. Ein Jahr später wurden Fritz Overbeck und Hans am Ende in Worpswede sesshaft. Im Jahre 1898 folgte die Malerin Paula Becker, die spätere Ehefrau Otto Modersohns. Alle waren sozusagen "Gründungsmitglieder" der Künstlerkolonie Worpswede. Im Übrigen kann hier auch auf das literarische Erbe verwiesen werden, das bedeutende Dichter wie beispielsweise Rainer Maria Rilke mit Worpswede verband. Eindrucksvoll belegt dies auch das Gemälde "Der Sommerabend" auf dem neben sechs weiteren Personen Clara Rilke Westhoff dargestellt ist. Unter den Künstlerarchitekten ist Bernhard Hoetger hervorzuheben, der von 1914 bis 1932 in Worpswede lebte. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte Worpswede einen weiteren Zustrom junger Künstler.

In den Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg änderte Worpswede infolge der vielen neu erbauten Künstlerwohnungen und Häuser zunehmend sein Gesicht. Während einzelne Objekte wie beispielsweise der "Barkenhoff" Vogelers, die "Käseglocke" Koenemanns oder die beiden Wohnhäuser Hoetgers leicht herausgestellt werden können, ist die vollständige Bausubstanz der gesamte Künstlerkolonie nur schwer greifbar, sind doch zahlreiche Gebäude in neuerer Zeit verändert worden. So hat die Weyerbergshütte, die nach dem Vorbild der Moorhütte als Künstlerwohnung errichtet worden war, die Gestalt eines modernen Nurdachhauses erhalten.

Ist die Künstlerkolonie Worpswede aus kunst- und kulturgeschichtlicher Sicht mindestens von besonderer nationaler kultureller Bedeutung, geht ihre tatsächliche Wirkung sogar weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Cafe Worpswede

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Falk-Reimar Sänger

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 0511/925-5325
Fax: 0511/925-5402

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