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Grabhügel

Die Sitte, die Toten in Grabhügel zu beerdigen, wurde in verschiedenen Epochen der Ur- und Frühgeschichte geübt (Abb. 1). Erste Hügel wurden bereits in der Jungsteinzeit errichtet, die jüngsten sind in das 7./8. Jh. nach Christus zu datieren. Zahlenmäßig überwiegen die Grabhügel aus der Bronzezeit und frühen Eisenzeit bei weitem.

Die Form der Grabhügel ist meistens rund, mitunter oval, seltener auch lang gestreckt. Generell sind die Grabhügel des Neolithikums und der ältereren Bronzezeit größer als diejenigen der jüngeren Epochen. Die Grabhügel liegen gelegentlich einzeln, meistens aber in kleineren Gruppen zusammen. Oft bilden sie größere Grabhügelfelder, wie z.B. die "Mansenberge" bei Groß Berßen im Ldkr. Emsland oder das Gräberfeld "Plaggenschale" bei Ost- und Westeroden im Ldkr. Osnabrück. Die mit über 530 Grabhügeln größte Nekropole dieser Art ist das "Pestruper Gräberfeld" bei Wildeshausen, Ldkr. Oldenburg (Abb. 2).

Die Grabhügel wurden aus Heideplaggen, Grassoden oder auch aus aufgeschüttetem Erdreich errichtet. Eine Sonderstellung nehmen im südniedersächsischen Bergland die überwiegend flachen Hügel ein, die aus anstehendem Steinmaterial aufgeworfen sind.

Abb. 1 Grabhügel von Gifkendorf, Ldkr. Lüneburg
Abb. 2 Pestruper Gräberfeld bei Wildeshausen, Ldkr. Oldenburg

Aber auch in Erdhügeln finden sich häufig Steineinbauten in Form von Steinpflastern oder Steinpackungen. Der Hügelfuß kann durch Steineinfriedungen in Form von Steinkränzen, Findlingssetzungen oder durch Gräbern mit oder ohne Pfostenreihen sowie durch aufgeschichtete Plaggen markiert sein. Gräben, die ursprünglich den Hügel umgaben, zeichnen sich heute noch bei Ausgrabungen durch das andersfarbige, später eingeschwemmte Erdmaterial deutlich ab (Abb. 3).

Die Art der Beisetzung im Hügel (Körperbestattung oder Verbrennung), die Anlage des Grabes sowie Aufbau, Form und Ausmaße des Hügels haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. So wurden in der älteren Bronzezeit die Toten unverbrannt in "Baumsärgen" beigesetzt. Hierfür wurde ein Baumstamm gespalten, beide Hälften ausgehöhlt, daraufhin die Leiche in eine Hälfte hineingelegt und mit der anderen bedeckt. In der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit wurden dann meist Brandbestattungen mit oder ohne Urne - gelegentlich mit Steinschutz - in Hügeln beigesetzt. In anderen Fällen wurde über dem ausgebrannten Scheiterhaufen ein Hügel aufgeworfen.

Jede Grabanlage war ursprünglich nur für die Aufnahme eines Toten bestimmt. Außer diesem Hauptgrab sind aber in nachfolgenden Zeiten häufig weitere Gräber (Nachbestattungen) angelegt worden, oftmals unter erneuter Erhöhung oder seitlicher Aufschüttung des Hügels (Abb. 4). So kommt es gelegentlich zu Höhen über drei Meter und Durchmessern von mehr als 30 Metern.

Aber auch kleine, unscheinbare Hügel, die häufig vom Laien kaum zu erkennen sind, stellen wichtige Denkmale und Quellen für die archäologische Forschung dar. Selbst teilweise zerstörte Grabhügel können noch wichtige Befunde bereithalten.

Abb. 3 Grabhügel bei Ripdorf, Ldkr. Uelzen, während der Ausgrabung
Abb. 4 Rekonstruktion eines Grabhügels (Schema)
Grabhügel
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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Mathias Wilbertz

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: Telefon: 0511 / 925-5312
Fax: Telefax: 0511 / 925-5296

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