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Großsteingräber

Die ältesten und zugleich auch eindrucksvollsten archäologischen Baudenkmale Niedersachsens sind die aus tonnenschweren Findlingen oder Steinplatten errichteten Großsteingräber, die auch als Megalithgräber (griech. megalos = groß; lithos = Stein) bezeichnet werden (Abb. 1).

Die Erbauungszeit der niedersächsischen Großsteingräber fällt in die 2. Hälfte des 4. vorchristlichen Jahrtausends. Ihre Grabkammern wurden aber auch noch in jüngeren Epochen verschiedentlich zur Aufnahme von Nachbestattungen genutzt.

Bei den Großsteingräbern lassen sich verschiedene Typen von Grabkammern unterscheiden: Dolmen, Ganggrab und Galeriegrab (Abb. 2). Die älteste Form der Großsteingräber stellt der Urdolmen dar (Dolmen = bretonisch: Steintisch), bei dem es sich um eine kleine längliche Grabkammer handelt, die von zwei liegenden Findlingen an den Langseiten und zwei kleineren Blöcken an den Stirnseiten gebildet wird, auf denen ein großer Deckstein ruht. Demgegenüber bestehen erweiterte Dolmen bzw. Großdolmen aus mehreren stehenden Tragsteinen und bis zu drei quer liegenden Decksteinen. Die Kammern der erweiterten Dolmen sind leicht trapezförmig, der Zugang erfolgte von einer Schmalseite.


Abb. 1 Großsteingrab bei Ueffeln, Ldkr. Osnabrück - Foto: S.Ullrich, NLD
Abb. 2 Grundrisse verschiedener Typen von Großsteingräbern - Foto: H.Räker, NLD

Wesentlich häufiger als die Dolmen sind die Ganggräber, so benannt, weil hier der Zugang durch einen auf einer der Langseiten vorgebauten kurzen, ebenfalls aus Findlingen errichteten Gang erfolgte. Die Grabkammern verfügten meistens über drei bis acht Joche (jeweils zwei gegenüberstehende Tragsteine und der darüber gelegte Deckstein werden als ein "Joch" bezeichnet), die längste Kammer Niedersachsens - bei Thuine, Ldkr. Emsland gelegen - wird sogar aus 18 Jochen gebildet. Die Böden der Grabkammern waren mit Steinpflaster, Steingrus oder auch Stampflehm ausgelegt. Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Tragsteinen und vermutlich auch Trag- und Decksteinen sowie zwischen den einzelnen Decksteinen waren sorgfältig mit einem trocken verlegten "Zwickelmauerwerk" ausgefüllt.

Die meist auf der Erdoberfläche errichteten Dolmen und Ganggräber waren ursprünglich von einem heute nicht mehr vorhandenen Hügel bedeckt. Einige Großsteingräber lagen unter einer einfachen Erdaufschüttung, bei anderen war dieser Hügel zusätzlich mit einer Einfassung aus Steinen versehen oder mit einem Steinmantel bedeckt. Neben runden kommen auch längliche, ovale oder rechteckige Steineinfassungen vor. Das bereits erwähnte Grab aus Thuine ist sogar von einem doppelten Steinkranz umgeben.

Wenn eine oder auch mehrere kleine Grabkammern von einer sehr langen rechteckigen Steinsetzung eingefasst sind, spricht man von einem Hünenbett oder auch Langbett. Das längste niedersächsische Langbett, der "Visbeker Bräutigam" bei Großenkneten, Ldkr. Oldenburg, erreicht immerhin eine Gesamtlänge von 105 m!

Aufgrund der häufig in Großsteingräbern gefundenen charakteristischen Tongefäßbeigaben wissen wir, dass diese Grabbauten von Angehörigen der so genannten Trichterbecherkultur errichtet wurden. Die "Trichterbecherleute" haben allerdings nicht alle Toten in Großsteingräbern bestattet, es sind inzwischen auch einige Einzelgräber bekannt geworden, wovon eines bei Himmelpforten, Ldkr. Stade, den ältesten bekannten Goldring Niedersachsens enthielt.

Dolmen und besonders Ganggräber sind in den eiszeitlichen Moränengebieten des nordwestdeutschen Flachlandes ehemals in großer Zahl verbreitet gewesen. Nach vielfachen Zerstörungen vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts haben sich im Gebiet des heutigen Niedersachsens nur noch etwa 400 Stück erhalten, wovon eine nicht unbeträchtliche Zahl ebenfalls starke Zerstörungen durch Steinentnahme oder Raubgrabungen aufweist.

Von den beschriebenen, der Trichterbecherkultur zuzuordnenden Dolmen und Ganggräbern ist eine kleine Gruppe von Galeriegräbern im mittleren Niedersachsen zwischen Elm und Weserbergland klar zu unterscheiden, die ihre nächsten Entsprechungen in Westfalen und Hessen finden. Insgesamt reicht die Verbreitung dieser in den Boden eingetieften und aus anstehendem plattigen Gestein errichteten Großsteingräber vom Pariser Becken bis nach Mitteldeutschland.

Mit Ausnahme der Urdolmen waren die Großsteingräber für die Aufnahme mehrerer Toter bestimmt, d.h. es handelt sich um Kollektivgräber.

Eine ganz andere Form jungsteinzeitlicher Kollektivbestattungen stellen die in den Boden eingetieften "Totenhütten" dar, von denen in jüngster Zeit zwei im Landkreis Northeim untersucht werden konnten. Sie bestanden aus einer hölzernen Dachkonstruktion, die von einem Trockenmauerwerk gestützt wurde (Abb. 3). Die in diesen Gräbern gefundenen Keramikbeigaben deuten auf vielfältige Kulturbeziehungen zum nordwestdeutschen, nordhessischen, vor allem aber zum mitteldeutschen Raum hin.

Abb. 3 Rekonstruktion einer neolithischen Totenhütte  
Abb. 3 Rekonstruktion einer neolithischen Totenhütte - Foto: Nach Feustel/Ullrich 1965
Großsteingrab

Großsteingrab - Foto: Ute Bartelt, NLD

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Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Mathias Wilbertz

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: Telefon: 0511 / 925-5312
Fax: Telefax: 0511 / 925-5296

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